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Presse

Umweltprojekt setzt landesweit Maßstäbe

Stadtwerke Hettstedt erhalten für ihr Konzept „Grüne Fernwärme“ den Preis der Umweltallianz Sachsen-Anhalt. Mitteldeutsche Zeitung - Mittwoch, 1. Juli 2026
|von Admin|3 Min. Lesezeit
Umweltprojekt setzt landesweit Maßstäbe
Umweltprojekt setzt landesweit Maßstäbe

Von Jörg Müller

Hettstedt/MZ. Was die Wärmewende betrifft, gehören die Stadtwerke Hettstedt GmbH zu den Vorreitern in der Region: Bereits seit 2021 beschäftigt sich das kommunale Unternehmen damit, wie die Fernwärmeversorgung von fossilen auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden kann. Mittlerweile liegt ein tragfähiges Konzept vor – das sogar landesweit Maßstäbe setzt: Das Projekt „Grüne Fernwärme Hettstedt“ ist jetzt mit dem Preis der Umweltallianz Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden. Der mit 8.500 Euro dotierte Preis würdigt unternehmerisches Engagement, das wirtschaftliches Handeln und Umweltschutz verbindet.

Die Hettstedter konnten sich unter insgesamt 19 Bewerbern durchsetzen, von denen drei ins Finale gekommen waren. „Die Entscheidung war nicht einfach“, sagte Jury-Vorsitzender Prof. Mathias Seitz von der Hochschule Merseburg.

„Am Beitrag der Stadtwerke Hettstedt hat uns der technologieübergreifende Ansatz in Kombination mit der Übertragbarkeit auf andere Kommunen am Ende überzeugt.“ Bewertet wurden insbesondere der Innovationsgrad und die Umweltwirkung.



Projekt mit Modellcharakter

An dem Hettstedter Projekt hob die Jury den „ganzheitlichen Ansatz“ hervor, mit dem das Fernwärmesystem schrittweise auf Klimaneutralität umgestellt werden soll. „Es ist modular aufgebaut und lässt sich an regionale und technische Gegebenheiten anpassen. Damit besitzt es Modellcharakter für die kommunale Wärmewende.“ Ziel sei eine langfristig zuverlässige, bezahlbare und umweltfreundliche Wärmeversorgung.

Geplant sind der Ausbau des Fernwärmenetzes, die Einbindung erneuerbarer Wärmeerzeugung sowie Wärmespeicher. Wesentliche technische Bausteine sind Großwärmepumpen, Kurzzeitwärmespeicher, ein geothermischer Langzeitwärmespeicher sowie eine Photovoltaik-Thermie-Anlage (PVT), die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. „Innovativer Kern“ sei die intelligente Kopplung zu einem flexibel steuerbaren Gesamtsystem, heißt es in der Begründung der Jury.

Über das bestehende, sieben Kilometer lange Fernwärmenetz werden vor allem der III. und IV. Wohnkomplex in Hettstedt versorgt. Künftig soll die Wärme mittels Großwärmepumpen und PVT erzeugt werden. Zur Wärmespeicherung entstehen zum einen drei Kurzzeitspeicher – das sind Behälter mit jeweils 125 Kubikmeter Wasser. Zum anderen wird als Langzeitspeicher Geothermie genutzt. Laut Heiko Ryll, Technischer Leiter der Stadtwerke, werden circa 55 bis 60 Sonden rund 300 Meter tief in den Untergrund eingebracht. Wichtig dabei: „Es ist ein geschlossenes System“, wie Ryll sagt. Das heißt, es werde kein Grund- oder Tiefenwasser angezapft. Der Wärmeträger zirkuliere nur in den Sonden, so dass die Erdwärme genutzt werde.

 

Arbeit an Saigerhütte startet

Bereits in den nächsten Tagen sollen die ersten Arbeiten am Standort des ehemaligen Sportplatzes an der Saigerhütte starten. Dort wird die sogenannte Energiezentrale entstehen. In der ersten Projektstufe werden die drei Kurzzeitspeicher sowie eine neue 800 Meter lange Fernwärmetrasse gebaut. Die zweite Stufe umfasst den geothermischen Speicher. Diese beiden Abschnitte werden mit Mitteln aus dem Strukturwandelprogramm „Sachsen-Anhalt Revier 2038“ gefördert.

In der dritten Stufe geht es dann um die Energieerzeugungsanlagen. Dafür sollen Mittel aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze beantragt werden. Die Planung ist bereits aus diesem Programm gefördert worden. Das gesamte Projekt soll bis 2030 abgeschlossen sein.

„Wir sehen den Preis der Umweltallianz Sachsen-Anhalt als Anerkennung für die bisherige Projektarbeit und die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Kommune, der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Wohnungswirtschaft, die uns wichtige Trassenflächen ermöglichen“, sagt Ryll.

Mit der „Grünen Fernwärme Hettstedt“ würden die Stadtwerke ein klares Zeichen setzen, dass Umweltwärme vor Ort nutzbar gemacht, gespeichert und zuverlässig in die Versorgung eingebunden werden könne.